Ehrungen

Ein Rückblick auf 60 Jahre aktives Singen

Nach meiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im August 1947 kam ich zu meiner Familie nach Müden an der Örtze. Hier fand ich meine Eltern und Geschwister nach der Vertreibung durch die Polen wieder. In meinem erlernten Beruf als Zimmerer fand ich einen Arbeitsplatz bei der Zimmerei Kohlmeyer und Eggers. Am 01. Januar 1951 bin ich durch Gerhard Schubert (Schwager von Kurt Hoffmann) zum Männergesangverein gekommen. Beide sangen wir im 1. Tenor. Mein Sangesbruder wanderte einige Jahre später nach Südamerika zu Verwandten aus. Der Männerchor hatte gut 40 aktive Sänger. Unser erster Chorleiter war Lehrer Germer, der die Sänger gut leitete. Gesungen wurde im Schulgebäude. Vom Hofeingang links die Klasse, wo auch das Klavier stand. Alle Geschäftsleute, Meister, Handwerker und Bauern gehörten dem Chor an.

An unserem Hochzeitstag, 29. August 1954, einem Heidesonntag, hat uns der Männerchor mit einem flotten Liedvortrag erfreut.

Übungsabend, Dienstag von 20.00 bis 22.00 Uhr. Um 21.00 Uhr Zigarettenpause im Flur oder in Hof. Der Chorleiter spielte einen Akkord und das Üben ging weiter. Zum Abschluss wurde gesungen: „Wo die Weser rauscht, wo die Heide blüht, vom Harz bis zur Nordsee, Heil dir Heil du deutsches Lied.“ Da es während der Übungsstunde nichts zu trinken gab, wurde oft mit dem 1. Vorsitzenden Friedrich Stelter nach dem Singen Einkehr bei Gerhard Niemeyer oder Friedel Wessel gehalten.

Besonders beachtenswert war eine Veranstaltung des Männerchores mit dem Orchester Wruck aus Celle im Saal bei Niemeyer. Sie fand unter Leiter von Chorleiter Germer statt. Zur Aufführung kamen „Am schönen Rhein gedenk ich dein“, „An der schönen blauen Donau“, „o Schutzgeist alles schönen“.

Leider hat Lehrer Germer Müden verlassen, da er bei den Lehrern und in der Gemeinde nicht beliebt war. An seine Stelle trat Professor Bachner, der Kapellmeister bei der österreichischen K.u.K. Armee gewesen sein soll. Mit viel Schwung und Elan leitete er den Chor. Er war auch bemüht einen gemischten Chor in Gang zu bringen, scheiterte aber an der ablehnenden Haltung der alt eingesessenen Müdener Männer.

Mit den befreundeten Männerchören Wriedel, Schatensen, Wietzendorf und Bispingen wurden Treffen mit Gesangsvorträgen gehalten. Die Himmelfahrtswanderung nach Reiningen fand bei Aktiven und Passiven immer mit reger Beteiligung statt. Die vielen Schluckrunden bei Brammer (später Renken) sorgten für gute Stimmung, auch auf dem Kutschwagen auf dem Heimweg. Bei Schröder in Poitzen und auf dem Bahnhof Lange in Poitzen wurde noch Einkehr gehalten. Mit Schlauchbooten der Bundeswehr war der Heimweg auf der Wietze eine feucht fröhliche Reise. Dabei musste auch ausgestiegen werden um Äste die die Weiterfahrt versperrten beiseite zu räumen.

Nach dem Ausscheiden von Professor Bachner übernahm Konrektor Gotthard Kahle aus Faßberg den Männerchor. Seit 1959 sangen die Chöre gemeinsam in Faßberg im Gasthaus zur Reblaus bei Felchner im Jägerweg.
In Müden waren die Gesangstunden im Vereinslokal Wessel. Erste Vorsitzende waren Friedrich Stelter, Gustav Rogge, Walter Feldmann, Friedhelm Lückert und jetzt Volker Nickel. Konrektor Kahle schied aus gesundheitlichen Gründen nach ca. 15 Jahren Chorleitung aus. In der Folgezeit vertraten Dirigenten von auswärtigen Chören die Stelle. Auch Otto Kayser, Horst Schümann und Gerd Büthe haben Übungsabende durchgeführt bis Leonard Skelton die Chorleitung übernahm. In seiner 27-jährigen Dirigentenzeit war der Chor sehr aktiv. Auftritte waren bei vielen Jubiläen, bei Konzerten, auch in den Kirchen in Müden und Faßberg, Dorfabende, Volkstrauertag und bei Adventfeiern der Senioren. Gesungen wurde auch am Heidesee mit Kinder- und Gastchören. Auch bei einem Fest am Heidesee gab es Liedvorträge. Später fanden Sängertreffen mit Gastvereinen auf den Bauernhöfen in Müden und Willighausen bei Tewes statt. Nach dem Ausscheiden von Leonard Skelton übernahm Heinz Kröll den Männerchor. Der gemischte Chor Cantamus wurde ins Leben gerufen.

20110215_guenter-berger_0259-1

Gern wäre ich dabei geblieben. Leider muss ich momentan aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten. 60 Jahre Singen war für mich eine Bereicherung, die mich stets in meinem langen Leben begleitet hat. Ich wünsche beiden Chören, Freude am Singen, zum Wohle und Erfolg bei Veranstaltungen und Konzerten.

Günter Berger
(Im März 2011)

—-

WappenWilli Schlicht wurde am 18. Februar 2005 für 25 Jahre aktive Sängertätigkeit mit der silbernen Ehrennadel des Chorverbandes Niedersachsen-Bremen geehrt.

ehrungfuer25jaehrigemitgliedschaftwillischlich_590

WappenKarl Rosenkranz und Johannes Peters wurden am 30. Januar 2004 für 25 Jahre aktive Sängertätigkeit mit der silbernen Ehrennadel des Chorverbandes Niedersachsen-Bremen geehrt.